Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Weimar, Herrn Peter Kleine
Die schreckliche Nachricht vom doppelten Todesurteil des iranischen Wrestling-Champions "Navid Afkari" und von 54 Jahren Haft, Auspeitschung und Folter für seine beiden Brüder schockierte die Welt. Regierungen, Menschenrechtsorganisationen und Bürger von fünf Kontinenten protestierten lautstark. Die drei Brüder wurden schuldig gesprochen, an einem friedlichen Protest gegen die faschistisch-religiöse Diktatur im Iran teilgenommen zu haben.
Zuvor, im August, haben weit verbreitete internationale Proteste die Todesurteile von drei anderen jungen Iranern in Isfahan gestoppt. Die drei wurden ebenfalls beschuldigt, an Protesten gegen Repressionen und Hinrichtungen des Regimes teilgenommen zu haben.
Im Juli dieses Jahres wurde ebenfalls ein Junger Iraner namens Mostafa Salehi (Vater von zwei Kindern im Alter von 4 und 7 Jahren) wegen der Teilnahme an Demonstrationen für Freiheit schuldig gesprochen und hingerichtet. Noch schockierender war, dass das Regime nach der Hinrichtung von Mostafa Salehi zunächst ein Sühnegeld in Höhe von 425 Millionen Tuman (entspricht 17.000 Euro) von seinen armen Hinterbliebenen forderte und danach sein gesamtes Eigentum, einschließlich seines Wohnhauses beschlagnahmte und seine Frau und zwei kleine Kinder in die Obdachlosigkeit schickte.
Amnesty International hat seit den Protesten im letzten Jahr die weit verbreitete Folter im Iran verurteilt! Laut einem am Mittwoch von der Menschenrechtsorganisation veröffentlichten Bericht wurden diejenigen, die im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen wurden, gefoltert und misshandelt.
Der Chef der Justizgewalt, Ebrahim Raisi, und der Oberste Richter, Alireza Avaei, die diese Todesurteile unterzeichneten, waren Teil der Todesschwadron, die 1988 das Massaker an 30.000 politischen Gefangenen begangen hat.
Dies ist nur ein Bruchteil der schmerzhaften Zustände unserer großen Heimat, Iran.
Herr Oberbürgermeister, geschätzte Mitglieder des Weimarer Stadtrats,
Die Mutter des Wrestling-Champions, Navid Afkari, aus Shiraz, der Partnerstadt von Weimar, hat in einem Videoclip alle Menschen auf der Welt gebeten, die Hinrichtung ihres Sohnes zu verhindern. Dutzende andere Familien aus Shiraz, deren Kinder unter den 1.500 waren, die bei den Protesten im November 2019 durch das Regime getötet wurden, warten noch immer auf die internationale Verurteilung, um eine Wiederholung solcher unmenschlichen Tragödien zu verhindern.
Mitglieder von mehr als 70 iranischen Verbänden in Deutschland, die die "Vereinigung der iranischen Gemeinden in Deutschland" bilden, fordern Sie auf, in Solidarität mit den Familien der Unterdrückten, zur Unterstützung der Freiheit und Demokratie im Iran und als Reaktion auf den Aufruf der Mutter des iranischen Wrestling-Champions, Navid Afkari, die Städtefreundschaft der Goethe-Stadt mit Shiraz zu annullieren. Diese Städtefreundschaft ist eine Verhöhnung der menschlichen Werte und Menschenrechte und sie legitimiert die Hinrichtung junger Menschen in Shiraz. In einem demokratischen Iran wird die Beziehung zwischen Hafez und Goethe sicherlich stärker als je zuvor die Erinnerung an diese beiden großen iranischen und deutschen Dichter widerspiegeln.
Verband Exil-Iranischer Gesellschaften in Deutschland e. V.
6. September 2020


Wrestling-Champion Navid Afkari (Mitte 27) und seine beiden Brüder Vahid (35) und Habib (29)

Amir Hossein Moradi (25), Saeed Tamjidi (27), Mohammad Rajabi (25), dessen Todesurteile durch die internationale Kampagne gestoppt wurden

edenkbild nach der Hinrichtung von Mostafa Salehi (30), seine beiden Kinder, Nazanin (4) und Amir Hossein (6)