Iran-Spring
Politik 25-04-2026

Der Prinz, der sich zum Narren machte

Der Prinz, der sich zum Narren machte

Anhänger der Monarchie empfangen Reza Pahlavi in berlin, 23. April 2026  Foto: Christian Mang/reuters

   23.04.2026

Schah-Sohn Reza Pahlavi in Berlin

Kommentar von  Pauline Jäckels

Pahlavi wollte sich der deutschen Presse als fähigen Staatsmann präsentieren. Seine Redezeit nutzte er, die Jour­na­lis­ten vor den Kopf zu stoßen.

Der iranische Exilaktivist und Schah-Sohn Reza Pahlavi wurde am Donnerstagmorgen enthusiastisch in Berlin empfangen – zumindest von seinen eigenen Anhängern, die ihn bei seiner Ankunft in der Bundespressekonferenz bejubelten. Die deutsche Bundesregierung empfing den Möchtegern-Monarchen hingegen gar nicht. Für sie ist Pahlavi offenbar nicht einmal relevant genug, um eine halbe Stunde für ihn freizuschaufeln.

Das ist nicht verwunderlich. Denn es sieht leider nicht so aus, als würde das iranische Mullah-Regime bald fallen – trotz der massiven US-israelischen Bombenangriffe, die nicht nur dem ehemaligen Ajatollah Seyyed Ali Chamenei töteten, sondern auch die iranische Infrastruktur schwer beschädigten. Auch die US-Regierung, die den Schah-Sohn zumindest vor dem Krieg noch als möglichen Ajatollah-Nachfolger ins Spiel brachte, hat längst das Interesse an ihm verloren. Schon vor einigen Wochen äußerte der US-Präsident Zweifel, ob der Iraner für den Job geeignet sei – treffen wollte er ihn ebenfalls nicht. Als potenzieller Übergangsregent spielt Reza Pahlavi damit, wenn überhaupt, nur noch für seine Fans eine Rolle.

Was genau der Aktivist mit seinem Besuch in der Bundespressekonferenz bezwecken wollte, bleibt unklar. Sollte es ein Versuch gewesen sein, sich bei der deutschen Presse beliebt zu machen oder sich als fähigen Staatsmann zu präsentieren, so ist er damit kläglich gescheitert. Den Großteil seiner Redezeit verwendete Pahlavi darauf, die anwesenden Jour­na­lis­t*in­nen zu belehren, wie sie ihren Job zu machen hätten.

Zunächst warf er der deutschen Presse vor, sie berichte nicht genug über die Situation im Iran, falle auf Regime-Propaganda herein und erwecke den Eindruck, sie lebe „auf einem anderen Planeten“. Dann folgte im selben vorwurfsvollen Ton eine Reihe von Ratschlägen: „Gehen Sie raus und finden Sie die Fakten heraus“, „Seien Sie investigativer“, „Reden Sie mal mit iranischen Aktivisten.“ Das kommt bei Jour­na­lis­t*in­nen bekanntlich immer besonders gut an.

Auch auf inhaltliche Fragen – etwa, wie er sich einen Regimewechsel hin zu einer Übergangsregierung unter den gegenwärtigen Umständen konkret vorstellt – blieb er Antworten schuldig. Das Regime sei so schwach wie nie, europäische Staaten sollten keine Gespräche mehr mit den Mullahs führen, die persische Nation habe sich in ihrer jahrtausendealten Geschichte immer wieder von Besatzern befreit. Konkrete Lösungsvorschläge fehlten.

Der Prinz, der König werden will, hat sich der Presse am Donnerstag eher als Hofnarr präsentiert – einer, der nicht mal mehr einen Hof hat, der ihn einberufen will.

https://taz.de/Schah-Sohn-Reza-Pahlavi-in-Berlin/!6173370/