Iran-Spring
Medien 29-05-2026

„Blut an den Händen der Pahlavi-Anhänger? Kritiker Reza Pahlavis brutal ermordet – Zwei Monarchisten in Kanada verhaftet“ Kritiker Reza Pahlavis brutal ermordet – Zwei Monarchisten in Kanada verhaftet“

„Blut an den Händen der Pahlavi-Anhänger? Kritiker Reza Pahlavis brutal ermordet – Zwei Monarchisten in Kanada verhaftet“ Kritiker Reza Pahlavis brutal ermordet – Zwei Monarchisten in Kanada verhaftet“


Am 28. Mai 2026 enthüllte das ARD-Magazin „Kontraste“ die gewalttätigen Angriffe von Reza-Pahlavi-Anhängern auf kritische Journalisten, Oppositionelle und MEK-Unterstützer. Gleichzeitig berichtete die Sendung über die Verhaftung zweier Monarchisten in Kanada wegen des Verdachts der Beteiligung am Mord an Massoud Masjoudi.

Der Titel wurde direkt von der Originalquelle übernommen. Nachfolgend der vollständige transkribierte Text des ARD-Berichts:

ARD-Magazin Kontraste 
28.05.2026

Einleitung Moderatorin:
Zwischen den USA und Iran herrscht offiziell eine Waffenruhe, doch die ist brüchig und der Ausgang des Krieges völlig unklar. Ob der von vielen Iranern erhoffte Regimewechsel also wirklich kommt, erscheint immer unwahrscheinlicher. Derweil bringt sich unter anderen er als möglicher Anführer einer Übergangsregierung in Position, Reza Pahlavi. Er wird von ganz unterschiedlichen Seiten als Hoffnungsträger unterstützt, auch hier in Deutschland. Doch es gibt Kritik am ehemaligen Kronprinzen und seinen Anhängern. Was ist da dran?

Sprecherin im Beitrag:
Begeistert wird Reza Pahlavi Mitte April von seinen Fans in Berlin begrüßt. Er ist der Sohn des letzten iranischen Schahs. Andere protestieren gegen Pahlavis Auftritt. Ein Aktivist attackiert ihn mit roter Soße. Auch die Politik ist gespalten, wie sie mit den Schahs umgehen soll. Vertreter der Bundesregierung empfangen ihn nicht. Im Gegensatz zu Armin Laschet und anderen Politikern von Union und SPD. Darunter auch Karoline Busbach. Sie schrieb danach auf Instagram, sie sei beeindruckt von seiner Klarheit und Beharrlichkeit, mit der er für einen freien Iran kämpft. Dabei gibt es immer wieder Zweifel daran, wie demokratisch Pahlavi und seine Anhänger sind.

Sprecherin im Beitrag: Wir sind bei der Pressekonferenz von Pahlavi in Berlin. Als die taz-Journalistin Pauline Jekels ihn kritisch zu seiner Unterstützung des Kriegs in Iran befragt, reagiert er ungehalten.

Pahlavi:  Ich denke, Sie stellen zu viele Fragen. 
taz-Journalistin Pauline Jekels: Nein, ich kann noch eine Frage stellen. Das ist mein Recht. 

Sprecherin im Beitrag: Die Journalistin widersprach dem Schahsohn und geriet deshalb wohl ins Visier seiner Anhänger. 
taz-Journalistin Pauline Jekels: Ich habe tausende Nachrichten in den Tagen danach bekommen mit übelsten Beleidigungen gegen mich, Drohungen gegen meine Person. Also mir haben Leute geschrieben, sie würden mich in Berlin ausfindig machen, aber auch solche Sätze wie tot den Linken, weil sie mich natürlich als links verorten als taz-Journalistin. 
Sprecherin im Beitrag: Jekels zeigt uns Nachrichten, die sie von Pahlavi-Anhängern bekommen habe. 
taz-Journalistin Pauline Jekels: ,,Bitch und Fuck your Mouth und solche Sachen. Bastard, Kommunistenbitch, Kommunistenhure, eine Puppe der Mullahs. Sowas habe ich noch nie erlebt. Also so beleidigt und bedroht zu werden bei keinem anderen Thema.“
Sprecherin im Beitrag: Vor dem Deutschen Bundestag es lebe der Schah, rufe. Am Rande dieser Demo treffen wir die Menschenrechtsaktivistin Shadi Amin. Sie steht der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung nahe und kann hier nur unter Polizeischutz sein. Auch Shadi Amin kritisiert Reza Pahlavi, etwa auf ihrem YouTube-Kanal. Und deshalb wird sie von seinen Anhängern massiv angefeindet und bedroht.
Shadi Amin: Die Anhänger von Reza Pahlavi sind berühmt für ihre Art, wie sie ihre politischen Gegnern begegnen. Also meistens ist mit Todesdrohung, Vergewaltigungsdrohung, das ist bei mir der Fall. Die sind wirklich gefährlich. 
Sprecherin im Beitrag: Shari Amin schickt uns ein Video, in dem ein Monarchie-Anhänger ihr mit Vergewaltigung droht. Für uns ist das Video im Netz nicht mehr auffindbar. 

Video wird gezeigt: „Zieh deine Hose aus, damit wir sehen, ob du männlich oder weiblich bist. Du solltest dich auch fragen, wie viel Strafe du zahlen musst, wenn wir dich vergewaltigen.“
Sprecherin im Beitrag: Die Bedrohung von Pahlavi-Kritikern geht weit über Deutschland hinaus. In Kanada wurde Anfang des Jahres der Aktivist Masoud Masjoudi getötet. Zuvor hatte er immer wieder Reza Pahlavi öffentlich kritisiert, weil dieser seiner Ansicht nach nicht demokratisch legitimiert sei. Nach dem Fund seiner Leiche nahmen die kanadische Polizei zwei Anhänger Pahlavis fest. Der Verdacht: Sie könnten für den Tod des Aktivisten verantwortlich sein.

Sprecherin im Beitrag:
Pahlavi sagt er trete für einen freien und demokratischen Iran ein. 

Ausschnitt Videobotschaft von Pahlavi:
„Ein freier Iran wird eine Kraft für Frieden, Wohlstand und Partnerschaft sein.“

Sprecherin im Beitrag: Die Herrschaft von Reza Pahlavi's Vater war geprägt von Säkularisierung und Modernisierung. Doch der Schah regierte auch autoritär. Bei einem Besuch in Berlin 1967 ließ er seinen Geheimdienst Savak Demonstranten zusammenschlagen. Kritiker von Reza Pahlavi werfen ihm vor, er distanziere sich nicht ausreichend von seinem Vater. Beim Aufstand gegen das Mullah-Regime Anfang dieses Jahres sollen dann Millionen Iraner wieder nach dem Schah gerufen haben und damit nach Reza Pahlavi. So jedenfalls Pahlavis Erzählung.
Wie viel Unterstützung er im Land tatsächlich hat, ist fraglich. Pahlavi ist innerhalb der iranischen Opposition umstritten, sagt der Schweizer Nahostexperte Reinhard Schulze.

Reinhard Schulze:  Wenn man die Berichte der letzten Demonstrationen um den 8. und 9. Januar herum sich anschaut, so hat man den Eindruck, dass Reza Pahlavi vor allen Dingen als Name, als Figur der Opposition gesehen wurde, aber nicht so sehr als führende Figur der Opposition gesehen wurde. Das heißt, er war eigentlich mehr der Symbolträger für den Widerstand, aber nicht unbedingt der Hoffnungsträger für den Iran selbst.

Sprecherin im Beitrag:
Hamburg Mitte Mai. Farbod Mahoutchiyan stellt Fotos von Menschen auf, die im Iran im Gefängnis sitzen oder hingerichtet wurden. Immer wieder wird er dabei von Pahlavi-Anhängern gestört. Sie rufen, tot den drei Korrupten, Mullahs, Linke und MEK. Farbod steht den Volksmudschahedin nahe, eine iranische Oppositionsgruppe, die ihrerseits umstritten ist. Früher standen sie auf der EU-Terrorliste, seit 2009 jedoch nicht mehr. 1979 waren die Volksmudschahedin am Sturz des Schahs beteiligt. Farbod sagt, weil er Reza Pahlavi kritisiert, werde er von dessen Unterstützern angegriffen.

Farbod Mahoutchiyan: Ich selber wurde viermal ins Gesicht geschlagen, ich wurde in den Magen getreten. Es läuft eine Verhandlung beim Staatsschutz, also der Staatsschutz ermittelt gegen diese Leute. 

Sprecherin im Beitrag: Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte Kontraste gegenüber entsprechende Ermittlungen. Was aber sagt Pahlavi zu den Vorwürfen gegen seine Anhänger?

Eine Anfrage von uns lässt er unbeantwortet. Dem Nachrichtenportal Politico sagte er, das iranische Regime schüre Konflikte innerhalb der Opposition und wolle seine Bewegung diskreditieren. 

Zitat von Pahlavi wird eingeblendet:
Ich verurteile grundsätzlich jedes Verhalten, das von Gewalt, Beleidigungen oder jeglicher Form von Aggressivität gegenüber anderen geprägt ist. 

Reza Pahlavi distanziere sich aber nicht eindeutig genug von seinen radikalen Anhängern, sagt Iran-Experte Schulze.

Nahostexperte Reinhard: „Die Pahlavi-Anhängerschaft ist nicht organisiert. Es gibt nur Netzwerke, Foren, Leute, die Beifall spenden, Leute, die Aufrufe machen, aber es gibt keine wirkliche feste Organisation. Das heißt, Reza Pahlavi kann immer sagen, das sind nicht Teile von mir. Es kann sich alles Mögliche unter seinem Namen versammeln.“

Sprecherin im Beitrag: In Regensburg marschierten Mitte Mai Pahlavi-Fans, die sich in der Tradition des Savak sehen, also des Geheimdienstes unter dem letzten Schah, berüchtigt für Verfolgung, Folter und politische Repression.