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Iran 03-10-2026

Freiheitspreis für Volk Irans: 71 Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft kritisieren Treuhänderschaft Reza Pahlavis

Freiheitspreis für Volk Irans: 71 Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft kritisieren Treuhänderschaft Reza Pahlavis

 

Stand:01.10.2026, 22:51 Uhr

Von: Silvia Bielert

 

Ein offener Brief kritisiert den Entscheid der Friedrich-Naumann-Stiftung, den Freiheitspreis für das iranische Volk an Reza Pahlavi zu übergeben.

71 Persönlichkeiten aus Politik, Rechtswesen und der Öffentlichkeit, Politiker, Juristinnen und Kultur haben einen offenen Brief an die Vorsitzenden der FDP‑nahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit geschickt. Darin fordern sie, die Entscheidung, den Freiheitspreis an das iranische Volk von Reza Pahlavi entgegennehmen zu lassen, zu überdenken.

Den offenen Brief hat Joachim Rücker initiiert, früherer Präsident des UN‑Menschenrechtsrats. Unterschrieben haben unter anderem der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), die Direktorin des Mauermuseums am Checkpoint Charlie, Alexandra Hildebrandt, der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof und am Internationalen Strafgerichtshof Wolfgang Schomburg und die evangelische Theologin und frühere Landesbischöfin Margot Kaesmann.

Wie berichtet, möchte die Friedrich-Naumann-Stiftung den Freiheitspreis 2026 im November in der Frankfurter Paulskirche an das iranische Volk verleihen. „Der Preis würdigt den Mut unzähliger Menschen, die Widerstand leisten“, heißt es zur Begründung. Gemeint sind Frauen, Studentinnen und Studenten, Journalistinnen und Journalisten, Arbeiterinnen und Arbeiter, „Familien, die sich gegen Bevormundung, Gängelung und die Verweigerung individueller Lebensentscheidungen zur Wehr setzen. Ihre Stärke liegt nicht in Einzelaktionen, sondern in der Beharrlichkeit einer Gesellschaft, die sich nicht zum Schweigen bringen lässt.“

Weil das Volk gegen das Regime der Mullahs und der Revolutionsgarde kämpft, soll der 65-jährige Reza Pahlavi den Preis entgegennehmen und treuhänderisch verwahren. Er ist der Enkel und Sohn der monarchischen Machthaber Reza Schah Pahlavi und Mohammad Reza Schah Pahlavi, die das iranische Volk von 1925 bis 1979 terrorisiert hatten, bis sie durch die Revolution des Volkes gestürzt wurden. Reza Pahlavi betitelt sich noch heute selbst als „Kronprinz“ und möchte im Iran nach dem Sturz der Mullahs eine führende politische Rolle spielen.

Doch seine Person ist in einem Teil der exiliranischen wie iranischen Opposition umstritten.

In ihrem Offenen Brief an die Stiftung erinnern die Unterschreibenden an die Proteste „deutscher und iranischer Studierender während des Staatsbesuchs des Schahs in West-Berlin gegen Diktatur und Repression“ im Juni 1967 und daran, dass der iranische Savak genannte Geheimdienst des Schahs Demonstrierende mit Knüppeln angriff. Umso beunruhigender sei es, dass dem „Sohn und politischen Erben des ehemaligen Schahs repräsentative Legitimität“ verliehen werden soll, „obwohl dieser die politische Repression jener Diktatur öffentlich verteidigt“ habe. Die Unterzeichnenden weisen auf die Savak-Symbole hin, die in Deutschland auch heute wieder öffentlich zur Schau gestellt werden. Und sie erinnern an Pahlavis Auftritt bei der Bundespressekonferenz in Berlin im April, wo er sich von den Fragen einer Journalistin angegriffen gefühlt hatte. Die Taz-Journalistin wurde danach von Pahlavi-Anhänger:innen digital beleidigt und bedroht.

Reza Pahlavi zum Treuhänder des Preises zu machen, untergrabe dessen Zweck: den Mut des iranischen Volkes zu würdigen, heißt es noch.

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Steffen Saebisch, antwortete noch am Donnerstag schriftlich: „Ihre Kritik an der treuhänderischen Entgegennahme des Freiheitspreises durch Reza Pahlavi bis zu diesem Zeitpunkt teilen wir nicht. (...) Uns ist keine andere Persönlichkeit aus dem iranischen Oppositionsspektrum bekannt, die derzeit eine vergleichbare öffentliche Reichweite und Unterstützung erreicht.“ Seine öffentlichen Äußerungen seien „eindeutig nicht als Fortsetzung der Politik seines Vaters und dessen Regierung zu verstehen“. Pahlavi stelle sich „kritischen Fragen der Medien in Deutschland und weltweit“.

Zudem könne Pahlavi nicht „für Äußerungen oder Reaktionen“ seiner „Anhänger in sozialen Medien verantwortlich“ gemacht werden. Auch nicht „für Parolen und Transparente einzelner Unterstützer bei Demonstrationen, von denen wir uns selbstverständlich distanzieren“.

Auch die Fraktion der Partei Die Linke im Frankfurter Römer kritisiert die Treuhänderschaft Pahlavis. Dessen „Befürwortung der Bombardierung des Iran durch die USA und Israel ist mit Werten des Friedens und des Völkerrechts unvereinbar“, wird die diversitätspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Mona Waissi, in einem Pressestatement zitiert. Pahlavi hatte die USA und Israel Mitte Februar dazu aufgerufen, den Iran zu bombardieren, um das Regime zu schwächen. Bei den Angriffen US-amerikanischer und israelischer Streitkräfte ab Ende Februar wurden auch Zivilist:innen getötet, darunter 170 Mädchen und Lehrkräfte in einer Schule in Minab Ende Februar.

Die Linke-Fraktion verweist auch auf Pahlavis Plan für den Übergang nach dem Regime-Sturz, in dem sich sein „autoritäres Staatsverständnis“ zeige. „Das ist kein Übergang zur Demokratie, das ist eine neue Form der Machtkonzentration.“

Auf eine Anfrage der Frankfurter Rundschau an sein Presseteam hat Reza Pahlavi nicht geantwortet. Seit zwei Wochen gibt es eine Unterstützer:innen-Petition für ihn und die Preisverleihung auf change.org. Wer dafür verantwortlich ist, ist unbekannt. Eine Anfrage über die Plattform am Donnerstag blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

https://www.fr.de/politik/71-prominente-fordern-friedrich-naumann-stiftung-pahlavi-nicht-als-preistraeger-94521132.html